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Dienstag, 4. November 2014

Some die young


"I will tell your story if you try,
but how long will your thoughts of valleys stay green,
when the world you were born in 
changes with seasons."
Laleh - Some die young



Ich dachte immer, es hört irgendwann auf, es wächst sich aus. Habe diese armen Seelen bedauert, die noch immer jeden einzelnen Tag kämpfen, um ein Stück Normalität zu gewinnen.
Haben wir den freien Willen zu wählen? Besitzen wir die Macht, uns für ein Leben ohne Depression zu entscheiden? Nein, ich glaube nicht. Wir können beschließen, eine Behandlung anzunehmen oder sie abzulehnen. Zwei Worte, die sich nur durch wenige Buchstaben unterscheiden und in ihrer Bedeutung doch einen massiven Kontrast bilden. Seit Tagen sitze ich auf Visitenkarten von Psychotherapeuten und kann mich doch nicht durchringen, eine von ihnen anzurufen, um einen Termin zu bitten. Der bloße Gedanke daran, in einem Wartezimmer zu verharren und darauf zu warten, jemandem mein Seelenleben nahe zu legen, macht mir riesige Angst. Ich bin nicht grundsätzlich ängstlich, nein, ich habe gelernt, meine Angst zu verdrängen, in einigen wenigen Situationen zumindest. Und obwohl mein Verstand weiß, dass die Tabletten allein mir nicht den Weg ebnen, sträube ich mich doch davor dieses eine Telefonat zu führen, denn damit fängt es an, das Offenlegen, das Darbieten, das Zur Schau Stellen, das Reden über mich selbst. Ich warte lieber darauf, dass etwas passiert, dass die Welt mich endlich aufnimmt oder abstößt. Fühle mich ausgehöhlt und ausgefüllt gleichzeitig, von den Dämonen, die in mir wohnen.
Wir können selbst entscheiden, wie es uns geht, ob wir mit einem Lächeln durch die Welt laufen und sie herzlich willkommen heißen, oder ob wir stumm und reglos bloß den Worten in unserem Kopf lauschen. Bisher sieht man noch ein Lächeln auf meinen Lippen, das sich langsam in mein Gesicht brennt, bloß um keine Schwäche zu zeigen, bloß, um die Menschen um mich herum nicht mit meinen kranken Gedanken zu verseuchen. Für mich macht es keinen Unterschied mehr, wie ich meinen Tag angehe, ob ich lächle und stumm leide oder ob ich die Fassade ablege und öffentlich leide. Ich leide so oder so und rein objektiv betrachtet, ist es nur fair, den anderen ihren Spaß am Leben zu lassen, anstatt ihnen aufzuzeigen, wie es andernfalls für sie laufen könnte.

Manchmal frage ich mich, womit ich das verdient habe, diesen ewigen Krieg gegen mich selbst. Vielleicht ist die Depression wie eine Autoimmunkrankheit. Sie zerstört ihren Wirt nach und nach und somit irgendwann auch sich selbst. 

2 Kommentare:

  1. Liebe Bloggerin, du bist längst keine "petite mariette" mehr.. und lebensnichtig erst recht nicht. Wenn, dann: lebenswichtig. Von außen betrachtet, hast du wahnsinnig viel geschafft.
    Du warst so
    weit
    unten.
    Du warst so nah am Tod. Du warst so weit weg vom Leben. Es ist okay, zurückzufallen. Vielleicht werden es die Dämonen immer wieder versuchen, doch neben dem Kontrast "annehmen und ablehnen", gibt es macht es einen ebenso großen Unterschied, ob etwas "immer wieder" kommt oder "immer" da ist. Wahrscheinlich tröstet dich das jetzt nicht in den Himmel der Sorgenfreiheit, doch gleichzeitig hoffe ich, dass du dem Lauf der Dinge noch eine Chance gibst. Du warst bei "immer", bist jetzt bei "immer wieder", wer weiß? In ein-zwei oder fünf Jahren bist du eventuell bei "wieder" und dann legst du es ab ... und schwebst wie die beiden Anführungszeichen, die keine Depression mehr (er)tragen müssten "...". Und dann setzt du dich auf die Pünktchen, schaukelst ein wenig und denkst daran, wie gut sich gut anfühlt, wenn man weiß, wie sich schlecht anfühlt.
    Unsere Hoffnung. Es gibt auch Vorteile der Depression, man will es nicht glauben.

    Alles Liebe
    und: überwinde dich! Ein Ort zum Sprechen berechtigt dich vielleicht innerlich dazu, die schlechten Gedanken nur dort zuzulassen und nicht den ganzen Tag über. So kann man das nämlich auch sehen.

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  2. Ich kann mich Kiwi nur anschließen. Aber ich möchte noch eines hinzufügen: was mir immer wieder hilft, ist der Gedanke daran, wie es vor einigen Jahren war. Man selbst merkt keinen Unterschied, aber die Außenwelt tut es. Wenn ich zurückdenke, wenn ich an vor 5 Jahren denke, dann merke ich, dass sich so viel in mir und mit mir verändert hat. & ich glaube das hat es bei dir auch. Du hast eine einzigartige Personalität, deine Art Dinge auszudrücken sind wunderbar.

    Wie war das vor 5 Jahren? War das Loch damals genauso tief?

    Ich hab in der letzten Zeit immer wieder gehofft, dass es dir gut geht! Offensichtlich nicht ganz so, aber ich wünsch dir nur das beste! Finde einen Weg mit dir umzugehen - & das muss beim besten Willen nicht immer der wöchentliche Termin bei einem Menschen sein, mit dem man nicht klar kommt!

    Pass auf dich auf!

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