Ich weiß nicht, wer noch hier liest, wen von euch es überhaupt noch gibt in dieser Zweitwelt. Anders als früher, geht es mir nicht mehr darum, möglichst viele Follower zu gewinnen oder mich von fremden Gedanken einlullen zu lassen, die ebenso krank sind, wie die meinen. Ich möchte bloß meinen Kopf leeren, weiß ich doch nicht, ob das derzeit möglich ist.
"So little to say but so much time,
despite my empty mouth, the words are in my mind.
Please wear the face, the one where you smile,
because it lightens up my heart when I start to cry."
Adele - First love
Wie jedes Jahr dachte ich, ich käme dieses eine Mal drumherum und wie jedes Mal, macht mir die Depression einen Strich durch die Rechnung. Zeit, meine Krankheit zu akzeptieren hatte ich genug, doch sobald ich wieder "gesund" war, habe ich keinen Gedanken mehr daran verschwendet. Ich habe keine Zeit dafür! Nicht jetzt, nicht, nachdem ich die Chance habe, genau das zu machen, was ich immer tun wollte. Wie soll ich aufrecht laufen, wenn sich der Beton unter meinen Füßen in Treibsand verwandelt? Wie soll ich mich auf mein Studium konzentrieren, wenn alles, was in meinem Kopf ist, nur noch in dichten Nebel gehüllt ist?
Ich bin wieder der Mensch, der ich nicht sein will. Bin das Mädchen, das sich auf den Boden setzt und teilnahmslos seine Zigarette anstarrt, während alle anderen euphorisch ihre Wochenend Pläne austauschen. Möchte nicht die Aussetzige sein, die Anstrengende, die Deprimierende. Bin in dieser neuen Stadt, diesem neuen "Zu Hause" mit all den neuen Leuten, vor denen ich so verdammt viel Angst hatte. Habe mich all dem gestellt, versucht nicht zu viel nachzudenken, meinem Kopf gar nicht erst die Freiheit gegeben, rum zu spinnen und mich wahnsinnig zu machen und - habe ihn geschafft, den Neustart. Dachte ich.
Weiß nicht mehr, wohin mich mein Weg führt, geschweige denn, ob ich die Kraft habe, ihn weiter zu gehen. Spüre wieder so viel Druck auf mir, hätte so viel zu tun und komme doch zu absolut nichts. Ich bräuchte jede Unterstützung, und doch habe ich selbst die Entscheidung getroffen, mich von meinem Freund zu trennen.
Fühle mich nicht lebensfähig, möchte nicht bei jeder Kleinigkeit in Tränen ausbrechen müssen. Und doch hat mein krankes Hirn bloß Sommerschlaf gehalten und freut sich, mein Bewusstsein wieder hinab in die Tiefen zu ziehen.
Die Depression ist meine persönliche Komfortzone, sobald ich die Grenze überschritten habe, möchte ich mich keinen Zentimeter mehr aus ihr entfernen.
Auf die Follower-Zahlen sollte man nicht zu sehr schielen, da stimme ich dir absolut zu. :) Natürlich freut man sich, wenn man merkt, dass andere sich von dem eigenen Geschriebenen angesprochen fühlen... Aber ich finde es auch immer ein bisschen traurig, weil ich mir wünschen würde, dass nicht so viele Menschen ähnliche Probleme teilen.
AntwortenLöschenDass du so empfindlich bist im Moment, hängt sicherlich mit deiner Depression zusammen - es ist nichts, wofür du dir Vorwürfe machen solltest. Du kämpfst dagegen an, wie es scheint - mehr kann niemand von dir erwarten und mehr solltest du auch selbst nicht von dir erwarten. Mehr als das Menschenmögliche kann ein Mensch nicht vollbringen.
Ich finde es gut, dass du dich nicht der Depression oder irgendeiner Form von Gejammer hingibst. Durchhänger zu haben ist in Ordnung, man kann nicht immer der Sieger im Kampf gegen die Depression sein - sonst wäre sie ja kein Problem, wenn man sie mit einem Fingerschnippen beseitigen könnte. :)
Vielen Dank für deinen Kommentar!
LöschenIch frage mich bloß, ob ich mich der Depression zur Zeit nicht so mehr hingebe, als ich es mir leisten könnte..
Ich kann all deine Gedanken nachvollziehen. Alles! Der Neuanfang ist nie einfach. Wie wünschen uns alles hinter uns zu lassen und doch gelingt es uns nicht. Aber es gibt auch in der neuen Stadt immer wieder Menschen auf die man zählen kann. Es sind nicht viele. Möglicherweise sind sie noch nicht da. Aber sie kommen. Irgendwann. Akzeptiere dich. Mehr kann ich dir nicht raten. Ich habe gelernt, dass es okay ist zu sagen, dass man mal keinen guten Tag hat. Die anderen haben das doch auch.
AntwortenLöschenNimmst du momentan noch was gegen die Depression? Johanneskraut hilft super, wenn man nicht schon wieder zum Arzt rennen will (nicht rezeptpflichtig!). Aber was erzähl ich dir da, Verbündete. Das weißt du sicherlich eh!
Alles Liebe!