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Montag, 17. November 2014

Jump

"Hope when you take that jump - you don't feel the fall."
One Republic - I lived)


Bloß weil ich lernen musste und keine Zeit hatte zu bloggen, heißt das nicht, dass ich keine Zeit für meine Depression hatte. Eingeplant war sie nicht, doch die Dämonen haben sich ohne Termin in meinen Kopf geschlichen und festgesetzt.

Ich stecke mir alle zwanzig Minuten eine neue Zigarette an, lausche den Tönen aus dem Radio. Sie ziehen mich in ihren Bann und wickeln meine Gedanken zu Knäueln zusammen, die ich nicht ohne weiteres lösen kann. Bis plötzlich ein Szenario vor meinen Augen erscheint, das ich so ähnlich schon aus Kindertagen kenne. Damals habe ich mir oft vorgestellt, meine gesamte Familie sei bei einem Autounfall ums Leben gekommen und ich wäre die einzige, die überlebt hat. Immer habe ich mir dabei meinen Arm gebrochen und wenn niemand zusah, wickelte ich mir einen Verband darum, um mir selbst alles realistischer erscheinen zu lassen. Stundenlang konnte ich mir ausmalen, bei einer anderen Familie zu wohnen, vielleicht meine Verwandten als neue Eltern zu haben. Bemitleidet zu werden. Versteht mich nicht falsch, ich hatte eine akzeptable Kindheit, mit Höhen und Tiefen, aber alles in allem, habe ich immer das bekommen, was ich brauchte. 
Die Autos rauschen rechts an mir vorbei, verschwimmen zu Farbklecksen auf grauem Untergrund, zur allzu vergänglichen Farbe auf einer Leinwand, die nichts kennt als drängeln, rasen und schweren Metallteilen, die auseinander bersten und sich in sie graben.  
Ein kurzer Schlenker, eine einzige Handbewegung reicht aus, um mein Leben ein für alle mal zu beenden. Eine Sekunde reicht aus, um mein Leben in Zeitlupe an mir vorbei fliegen zu lassen. Ich stelle mir vor, wie es sich anfühlen muss, seine letzten Momente zu erleben, die letzten Bilder zu sehen. Welche Bilder wären es wohl? Welche Menschen würden mich ein letztes Mal anschauen, mir einen letzten Blick schenken, vielleicht ein letztes Wort? Wer weiß schon, wie es sich anfühlt zu sterben, die Seele frei zu lassen.
Ich denke nicht an Selbstmord, es drängen sich mir bloß ab und an Gedanken auf, die ich jetzt noch aushalten und verdrängen kann.Und die Frage, die ich mir stelle ist, wie schlimm es derzeit bei mir ist, wie weit unten ich tatsächlich bin. Nicht so weit, wie Mariette, nein, das kann zumindest mein Verstand beurteilen, aber für meine Seele fühlt es sich wieder ganz genau so an. Ich kann nicht differenzieren zwischen damals und heute, bemerke bloß, dass es wieder da ist. 

Seit mehr als zwei Wochen nehme ich nun wieder ein Antidepressivum, eines, in dessen Nebenwirkungen Anorexie unter den häufigen zu finden ist. Innerlich freue ich mich darauf, die Chance zu bekommen, wieder abzusinken, wieder weniger zu werden. Ich feiere jedes verlorene Kilo auf der Waage. 
Und während sich meine Essstörung meldet, schlaftrunken, und Vorbereitungen für mein Wiederkehren schafft, schauen meine Augen in den Spiegel und wissen, dass ich schon jetzt dünn bin und mir jedes weitere Kilogramm ein Stück Kraft und Motivation für den Kampf nimmt.
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Ich danke euch für eure lieben Kommentare und hoffe einen Großteil eurer Fragen beantwortet zu haben. Ich habe mich dazu entschieden, einen weiteren Versuch zu starten und werde nächste Woche ein Erstgespräch mit einer Psychologin führen.

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