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Sonntag, 26. Juli 2015

Koexistenz

Ich habe meine Depression immer für ziemlich wichtig gehalten, habe sie irgendwann auf einen Thron gehoben und anstatt ihren Platz anzuzweifeln, habe ich mich sogar vor ihr verneigt und ihre Befehle willenlos ausgeführt. Die Depression ist nicht dumm und weiß ihre Stellung sehr genau zu benutzen. Sie dankt dir damit, dass sie einen unüberwindbaren Burggraben zwischen sich und ihr Gefolge baut und sich unantastbar macht. Doch vielleicht ist genau das der Fehler in ihrer Matrix, das Schlupfloch im Labyrinth.
Anstatt sich ihr zu unterwerfen und ihrem Willen Folge zu leisten, besteht die Möglichkeit, ihr einfach den Rücken zu kehren und sich abzuwenden. Es hat keinen Sinn mit voller Kraft los zu laufen, zu fliehen und keinen Blick zurück zu werfen, denn sie holt dich ein, wo immer du auch bist. Aber du kannst akzeptieren, dass sie ist, wo sie ist, einen Pakt mit dir selbst schließen und den Anschein wahren, dass du tust, was sie will.
Vielleicht könnt ihr koexistieren, nicht im Sinne von Wirt und Parasit, nicht einmal im Sinne einer Symbiose, sondern, schlicht und einfach, in einem geteilten Lebensraum. Ihr wisst beide, dass der jeweils andere da ist, aber ihr könnt euch aus dem Weg gehen.
Zwangsläufig werdet ihr euch begegnen, auch (und vor allem) dann, wenn ihr es beide am wenigsten gebrauchen könnt. Ihr werdet hasserfüllte Blicke austauschen und euch gegenseitig auf die Füße treten; vielleicht werdet ihr sogar im Dunkel der Nacht oder im Schatten der Sicherheit auf einander warten, bereit zum Angriff. Doch hier ist Platz für euch beide und selbst wenn ihr ständig auf der Flucht vor dem anderen seid, bieten sich genug Verstecke zum Ausruhen zum Luft holen.

Vielleicht wird es Zeit, Kontrast und Sättigung der Graustufen runterzuschrauben, die Brille mit den tiefschwarz getönten Gläsern bei Zeiten abzusetzen, die Finger fest um sie geschlossen, um sie gleich wieder aufsetzen zu können.
Vielleicht ist genau das der Weg, die Fesseln kurz zu lösen und die Herrschaft der Depression bloß für einen Moment anzuzweifeln. 

5 Kommentare:

  1. Wenn es auch nur ein Moment sein sollte, wäre das Gewicht dieser Sekunden dennoch unumstößlich von Wichtigkeit. Du kannst es schaffen. Ich glaube an dich. So lange lese ich nun still und leise mit, doch kann dir versichern, dass ich dir immer das Beste gewünscht habe. Allein das diese Gedanken durch die Depressionen brechen, ist ein besonderes Zeichen. Natürlich gibt es immer wieder Rückschläge, aber du bist kein Wirt für einen Parasiten! Das warst du nie tatsächlich, wirst es nie sein.
    Bitte gib nicht auf.

    Liebe Grüße
    Emaschi

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  2. Ich habe letztlich keine Ahnung, wie ich hier gelandet bin.. :')
    Aber ich bin wirklich froh darüber.
    Denn diese Beschreibung, die Art, wie du dich mit der Depression auseinandersetzt..
    Das ist gut. Und diese Veranschaulichung der Akzeptanz, solch eine Sichtweise hat mir wohl gefehlt. Danke - für deine Worte in diesem Post.

    Ich wünsche dir nur das Beste! <3

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  3. Deine Texte sind immer wieder so erfüllend und sinngebend, danke.
    An dich wird gedacht.

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  4. Ich hoffe du schreibst nicht, weil es dir gut geht.
    An dich wird gedacht und ich sende dir Kraft <3

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