Ich weiß nicht wohin mit mir. Alles ist auf den Kopf gestellt, nicht nur spiegelverkehrt, sondern vollkommen durcheinander.
Wir sitzen am Tisch, vor uns der Raclette Grill. Ich bestücke ein Pfännchen nach dem anderen in feinster Kleinarbeit, beinahe künstlerisch. Obwohl ich schon lange merke, dass ich voll bin, kann ich der Gier nicht widerstehen und schiebe so lange eins nach dem anderem in mich, bis ich das Gefühl habe zu platzen. Da ist es wieder, das Verlangen nach mehr. Ich schaufele mit jeder Gabel ein Stück Zugehörigkeit in mich, zumindest stelle ich mir vor, dass die anderen mich so für 'normal' halten. Plötzlich fängt alles an sich zu drehen, nicht vor meinen Augen, nicht bedingt durch die Weingläser, die ich schon intus habe, sondern in mir drin, in meinem Kopf, meinem Bauch, meinem Herzen. Ich muss hier raus, so weit weg wie mich meine Füße nur tragen. Doch anstatt zu fliehen, sage ich bloß, ich ginge eine Rauchen. Auf der Terrasse angekommen, muss ich erstmal atmen, Sauerstoff in meinen Körper pumpen, Hirnzellen versorgen, die mich daran hindern komplett durchzudrehen.
Die Gastgeberin kommt zu mir raus, angeblich bloß um frische Luft zu schnappen, doch ich fühle mich beobachtet, kontrolliert, als wolle sie nachschauen, ob alles okay wäre.
Niemand kennt mich hier wirklich, niemand weiß von meiner Vergangenheit, die mittlerweile zur Gegenwart geworden ist. Keiner hat eine Ahnung, welche Schlacht ich von früh bis spät in mir austrage, welchen Dämonen ich gegenüber trete. Doch wenn ich ehrlich bin, wünsche ich mir kein anderes Leben, kann mir nicht die Genugtuung erlauben ein Leben ohne mein inneres Treiben zu führen oder die Abgründe der menschlichen Seele zu kennen.
Neulich habe ich einen dieser 'Depression-als-Volkskrankheit-Artikel' gelesen und habe mich wahnsinnig unwichtig gefühlt, als wäre das, was ich mit mir herumtrage nicht von Bedeutung oder als wäre es unumgänglich, dass unsere Gesellschaft an Depressionen leidet, als wäre es Alltag geworden und jeder würde es trotzdem schaffen, ein geregeltes Leben zu führen. Wut macht sich in mir breit, auf diese Leistungsgesellschaft und auf mich selbst, auf meine Eltern. Ich verstehe einfach nicht, wie genau ich hier geboren werden konnte.
Ich gehöre hier nicht hin. Verdient hat mein Leben ein Kind, das all das schätzt, was es bekommt, das die Chancen, die sich mir bieten in vollen Zügen nutzt. Ich weiß einfach nicht, wie ich das alles auf ein Neues schaffen soll. Ich bin so allein.
dieses ganze 'depression als volkskrankheit' ist so ne blöde sache..
AntwortenLöschendenk bitte daran, dass selbst wenn es eine "volkskrankheit" sein sollte (die betonung liegt hier auf selbst wenn) wertet das in keinster weise deine eigenen probleme und dein recht auf deine gefühle ab
du bist nicht unwichtig
tut mir leid, dass ich erst jetzt antworte, aber ich wusste nicht wirklich, was ich sagen soll. natürlich weiß ich, manchmal, dass es sich irgendwie lohnt, zu leben. aber wenn man es immer wieder probiert, und es nicht besser wird, ist es vielleicht gesünder, einfach aufzuhören. keine ahnung, wie ich das erklären soll, aber wenn man sich tot fühlt, dann ist man irgendwie lieber komplett tot, als am leben und gleichzeitig tot zu sein, weißt du?
AntwortenLöschenund wo enden wir, wenn wir unsere probleme mit den problemen von anderen vergleichen? natürlich gibt es leute, die so viel durchmachen und die es trotzdem schaffen, den kopf oben zu halten, aber das heißt nicht, dass deine probleme unwichtig sind oder du schwach bist. jeder mensch ist einfach anders und jeder mensch ist in einer anderen situation, das kann man alles gar nicht miteinander vergleichen, und jeder mensch ist wichtig
und bevor man depressionen als eine volkskrankheit darstellt sollte die gesellschaft sich erstmal fragen, wieso immer mehr menschen in der dunkelheit versinken
ich hoffe wirklich, dass es dir irgendwann besser geht xx
Ich weiß nicht, ob du dich noch an mich erinnerst. Ich war hier ewig nicht mehr aktiv... Ich schicke dir ganz viel Kraft und Liebe und Mut und alles andere, was auch immer wir zum Kämpfen brauchen. Du bist nie allein, okay? Ich bin auch in Facebook immer erreichbar.
AntwortenLöschenPass auf dich auf! <3